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Vegan im Alltag – ein Praxistest

Vegan im Alltag – ein Praxistest

2 Wochen vegan leben. „Kein Problem“, dachte ich grinsend und widmete mich voller Motivation meiner neue Aufgabe. Die Kochbücher von Attila Hildmann, Monika Mücke und Ruediger Dahlke hatte ich bereits gekauft und der nächstgelegene Biomarkt war bereits ausgecheckt. Ein Basic, keine 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Ich suchte mir verschiedene Rezepte aus und notierte die Zutaten. Einige Zutaten kannte ich gar nicht und versprach mir somit einiges von meinem Besuch im Biomarkt. Ich besaß noch eine Bio-Baumwoll-Tragetasche von meiner Mutter, so würde mich im Biomarkt auch keiner als Neuling erkennen.

Tag 1
Das Sortiment im Basic versetzt mich in Staunen und Begeisterung. So viele Teesorten, Kornsorten, Ölsorten, Weinsorten und eine so reichhaltige Auswahl an Obst und Gemüse habe ich selten auf einem Fleck gesehen. Ich verbringe fast zwei Stunden im Biomarkt und finde alle notierten Zutaten. Zum Abendessen gibt es gefüllte Aubergine a´la Hildmann. Ich brauche doppelt so lange für die Auberginen, als im Kochbuch angegeben und meine Küche versinkt im Chaos. Dafür sind die Auberginen superlecker. Die Mandelcreme (ich hatte vorher noch nie von ihr gehört) hat es mir besonders angetan. Diese kann man zu einer schönen Kruste backen und die schmeckt mir sogar besser als die Schweinebratenkruste.

Tag 2
Zum Frühstück probiere ich den Rapunzel Frühstücksbrei und beschließe nach zwei Löffeln, auf das Frühstück zu verzichten. Dieser komische Brei geht für mich gar nicht. Beim Bäcker am Büro hole ich mir einen Fruchtsmoothie und muss an den leckeren Semmelchen und Gebäckteilchen vorbei gehen. Zu Mittag esse ich einen Salat im Café Kordial. Soweit so gut. Abends nehme ich mir die vegane Pizza vor und bin auch von diesem Rezept total begeistert. Haken an der ganzen Sache ist weiterhin der zeitliche Aufwand. Bis das Essen serviert ist, können schon mal 1,5 Stunden vergehen. Da ich Hausfrau und Unternehmerin in mir vereinen muss, gerate ich in anderen Bereichen in die Bredouille. Zum Yoga schaffe ich es heute nicht.

Tag 3
Mir fehlt die Schokolade. Die vegane Schokolade (mit Reismilch) darf sich im Vergleich zu meiner Lieblingsschokolade von Lindt gar nicht Schokolade nennen. Am Abend bereite ich mir ein selbstgemachtes, veganes Mousse au Chocolat vor, welches mich in meinen verzweifelten Momenten retten soll. Der Besuch mit einer Freundin im Café Schwabing hat kulinarisch gesehen auch keinen Spaß gemacht. Auf der Karte lässt sich nichts veganes finden und so bleibe ich vor meinem grünen Tee sitzen, während meine Freundin ihren Apfelkuchen mit Butterstreuseln (!) vertilgt.

Tag 4
Ich koche die 3 Weisheiten Körnermischung vor, um die Rezepte von Monika Mücke zu probieren, welche einen geringeren Zeitaufwand versprechen. Beim Anblick der Mischung im Topf muss ich unweigerlich an den Rapunzel Frühstücksbrei denken. Die Mischung allerdings war richtig lecker. Ich schmecke das volle Korn und die Konsistenz ist weitaus weniger breiig, als sie aussieht. Dazu gibt es veganes Fastfood in Form eines „Power-Hacksteaks“ und gebratenes Paprikagemüse. Ich genieße jeden Bissen des Festmahls. Zubereitungszeit: 30 Minuten. Perfekt.

Tag 5
Zum Frühstück esse ich die 3 Weisheiten Mischung mit frischem Obst. Das passt gut. Die Mischung lässt sich schnell erwärmen und schmeckt sehr gut mit Bananen oder Äpfeln.
Ich mache mich in Veganer-Foren schlau, welche Schokolade gut schmeckt und werde tatsächlich fündig. Der Vego-Schokoriegel erfüllt all meine Ansprüche und ist auch kein Riegelchen, sondern ein richtiger Klopper. Supergeil.
Am Abend erwärme ich mir den Rest der Körnermischung und esse Grillgemüse dazu. Ich habe keine Lust, wieder ewig in der Küche zu stehen und habe die Körnermischung noch nicht satt. Im Gegenteil, sie schmeckt mir immer besser.
Das Völlegefühl bei veganer Ernährung ist anders. Ich bin zwar voll, aber immer noch angenehm leicht und das Völlegefühl geht auch schneller wieder.

Tag 6
Ich spüre, dass ich leistungsfähiger und wacher bin, als sonst. Auch meine Laune ist besser, ich fühle mich richtig gut! Solange ich nicht in Cafe´s oder Restaurants bin, macht mir die vegane Ernährung richtig Spaß. Zugegeben, ich plane mein Essen mehr, damit ich nicht stundenlang in der Küche stehe, aber das ist echt okay. Ich möchte dem veganen Essen hier und jetzt meine Liebeserklärung machen. Vegan schmeckt einfach grandios und ich merke, dass ich mein Essen viel mehr genieße als vorher. Heute gibt es vegane Spaghetti Bolognese und auch dieses Rezept wandert zu der Liste meiner liebsten Gerichte.

Tag 7
Ich entdecke Starbucks neu. Denn hier kann man alle Kaffee´s, Tees und Shakes auch vegan kaufen und sie stehen den Kollegen mit tierischem Inhalt in nichts nach.

Tag 8
Mein Mann hat Hunger auf Fastfood. Also gibt es vegane Burger mit Tofu. Tofu ist ja auch nicht gleich Tofu, habe ich mir sagen lassen. Man sollte strikt darauf achten, dass die Sojaprodukte Bio sind, da sie sonst das Nervengift Hexan enthalten können. Die Burgerpatties waren 100% Bio und 100% lecker. Besser als jeder Burger bei Mci oder Burgerking.

Tag 9
Ich google nach veganen Restaurants und Cafe´s in München und entdecke ganz in der Nähe meines Büros das Café Ignaz. Hier gibt es vegane Kuchen, Getränke und Speisen. Ich bin total begeistert und esse zu Mittag und zu Abend etwas vom Ignaz. Ich nehme mir vor, all die anderen Restaurants ebenfalls aufzusuchen. Problem ist nur: Meine Freunde und meine Familie haben ihre „Stammrestaurants“ und dort verbringe ich auch gerne meine Zeit. Nun allerdings gibt die Speisekarte nicht mehr so viel her… Jedes Mal vor einem Salat zu kauern, ist doch auch keine Lösung.

Tag 10
Meine Haut strahlt und sämtliche Unreinheiten sind vollständig weg. Ich hatte schon immer die Ahnung, dass meine Unreinheiten von meiner Ernährung kommen. Nun habe ich für mich den Beweis: Keine tierischen Produkte, keine Pickel.

Tag 11
Ich zaubere ein veganes 3-Gänge-Menü für meine Familie und ernte Beifall. Alle sind begeistert von den Gerichten und Mutti notiert sich die Rezepte. Ich erzähle stolz, dass ich bereits ein Kilo verloren habe und mich fitter den je fühle.

Tag 12
Zum Essen bei Freunden eingeladen. Fürchterliche Situation. Dies kann ich nicht essen, das kann ich nicht essen. Meine Gastgeber konnten es mir nicht rechtmachen und ich fühle mich total bescheuert dabei, zu fragen, ob in der Tomatensuppe Sahne drin ist. Es ist wirklich unangenehm, so ein „Sonderfall“ zu sein und auf Rücksichtnahme angewiesen zu sein. Dass mein Kurzzeitveganismus das Tischthema wird, ist eh klar. Heute will ich meinen Praxistest zum ersten Mal abbrechen.

Tag 13
Ich entdecke die Avocado für mich. Mit Sojasahne, Zitrone und Meersalz mache ich den besten Butter-Ersatz der Welt. Die veganen Brotaufstriche aus dem Biomarkt sind ganz lecker, konnten meine geliebte Butter aber nicht toppen. Die Avocado kann es.

Tag 14
Ich koche Abends mittlerweile mehr, damit etwas für das Mittagessen am nächsten Tag übrig bleibt. Die Körnermischung lässt sich gut transportieren, Grillgemüse schmeckt auch aus der Microwelle und als Snack dient Studentenfutter, Obst und der Vevo-Schokoriegel. Mein Steak fehlt mir nur dann, wenn ich in meinen Lieblingsrestaurants sitze. Ich habe meinen veganen Alltag organisiert, koche vegane Gerichte sehr viel lieber als Fleischgerichte und bin absolut überzeugt von Geschmack und Qualität des Essens in den letzten zwei Wochen. Ich fühle mich wunderbar, körperlich sowie geistig.

Fazit:
Ich bin absolut überzeugt von der veganen Ernährung und werde auch weiterhin vegan kochen. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen, strikt vegan zu leben, da das Angebot in der Stadt (und ich lebe in München) einfach zu klein ist und man in Restaurants, sowie bei Einladungen immer eine Extra(tofu)wurscht braucht. Ich empfinde es als unangenehm, eine Sonderbehandlung zu brauchen. Auch finde ich die Veganer in den Foren zum Teil echt alles andere als weltverbessernd. So lange du nicht 100% vegan lebst, wirst du nicht gut genug für viele Veganer sein. Das verstehe ich nicht. Ich verändere doch schon etwas, wenn ich nur halb so oft tierische Produkte esse. Hier verlieren sich wohl viele in einer Überidentifikation und betreiben schönstes Egogepushe mit ihrem Veganismus.
Ich wünsche mir sehr, dass die vegane Ernährung weiterhin Einzug hält und eine vegetarische und vegane Karte in Restaurants und Cafés zum Standard wird. Ich bin überzeugt davon, dass viele Menschen auf diese Alternativen zurückgreifen würden, wenn sie sie zur Auswahl hätten.
Seit meiner Vegan-Challenge gehe ich jede Woche im Biomarkt einkaufen. Ich liebe die Auswahl, den Geschmack, die Verkäufer und die große Kosmetikabteilung. Ich liebe meine neuen Kochbücher und meine neu entdeckten Zutaten wie Seitan, Avocado, Mandelcreme und Soja-Schokomilch. Ich freue mich, dass ich meinen Horizont in nur zwei Wochen erheblich erweitern konnte. Ich kann jedem nur empfehlen, es einfach mal auszuprobieren!

Eure Sophia Kat Zee Mueller

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